Interview-Artikel auf Osthessen News

SCHLITZ Drei Bürgermeisterkandidaten, ein Amt (3)
Jürgen Laurinat (parteilos): „Das Schlitzerland braucht frischen Wind“
24.10.18 – Am 28. Oktober geht in Schlitz eine Ära zu Ende – ein neuer Bürgermeister wird gewählt – und Hans-Jürgen Schäfer tritt nach 24 Jahren Amtszeit nicht mehr als Kandidat an. Drei neue Bewerber für das Amt des Rathauschefs gibt es. Einer davon ist Jürgen Laurinat (parteilos). „Das Schlitzerland braucht frischen Wind.“ Im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS spricht er über seine Kandidatur.

Der 41-jährige Jürgen Laurinat hat in Schlitz eine neue Heimat gefunden – denn aufgewachsen ist er in Norddeutschland. Dort studierte er BWL und Bauingenieurwesen, gleichzeitig trug er als Geschäftsführer schon mit 24 Jahren in der Firma seines Vaters die Verantwortung für über 100 Mitarbeiter. Heute ist Laurinat Unternehmer für Immobilien sowie in der Verwaltung für land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen selbstständig tätig. Vor vier Jahren zog unter anderem der Liebe wegen nach Schlitz, wo er jahrelang schon viele Freundschaften pflegte. „1991 kam ich mit meiner Tanzgruppe das erste Mal nach Schlitz zum Trachtenfest“, blickt er zurück. Bei weiteren Besuchen knüpfte er viele Kontakte und fand schließlich seine große Liebe in der Burgenstadt. „Im Schlitzerland habe ich mich schon immer wohlgefühlt.“

Auch deshalb liegt ihm die Zukunft der Stadt am Herzen. „Ich möchte hier eine Familie gründen – da muss die Stadt etwas bieten können.“ In der Stadtverordnetenversammlung herrsche immer mehr ein Gegeneinander als ein Miteinander, das soll sich in Zukunft ändern. „Ich möchte mich aktiv einbringen und Verantwortung übernehmen.“ Genau deshalb entschied er sich, als Bürgermeisterkandidat ins Rennen zu gehen. „Mein Ziel ist es, alle unter einen Hut zu bringen und ein möglichst harmonisches Zusammenleben in einer gemeinsamen Stadt zu ermöglichen.“

Stadtentwicklung

Einige wichtige Themen hat er sich auf seine Agenda geschrieben – zum Beispiel die Stadtentwicklung. „Die Verwahrlosung von Schlitz und dem Schlitzerland soll ein Ende haben.“ Laurinat möchte gewissen Leerstand erhalten, um diese für Start-up-Unternehmen zu nutzen. So sollen die Fachkräfte beispielsweise an der Fachhochschule Fulda abgeholt werden, sich in der Stadt ansiedeln und gleichzeitig zur Stadtbelebung verhelfen. Außerdem sollen marode Häuser gekauft, saniert und wieder auf den Markt geführt werden, „in Schlitz gibt es zu wenig Mietraum, das müssen wir ändern“. Gleichzeitig soll auch die Mobilität verbessert werden. „Wir holen junge Familien hier her, sind aber dann nicht studenten-, senioren- und jugendfreundlich. Genau deshalb ziehen die jungen Leute weg, denn sie fühlen sich alleine gelassen.“

Als Bürgermeister sehe sich Laurinat in der Pflicht, die Vernetzung untereinander zu verbessern. „Ich möchte die Bürger abholen, sie informieren und mit ihnen kommunizieren. Ich möchte keine Entscheidungen treffen, die viele gar nicht wollen.“ Viel mehr will sich der 41-Jährige darauf konzentrieren, was Schlitz bereits vor Ort zu bieten hat – beispielsweise das Wandern und Fahrrad fahren. Doch diese Wege sind kaum ausgewiesen: „Wir müssen die Touristen von Anfang an abholen, beispielsweise mit Broschüren in denen erklärt wird, was Schlitz alles zu bieten hat.“

Für Laurinat müssen insgesamt mehr Konzepte her, wie man das Schlitzerland weiter stärken kann. „Die Bürger werden oft alleine gelassen, das Land und die Kommunen kommen nicht mehr hinterher.“ In seinem Wahlkampf hat er bereits gute Resonanz von den Schlitzern bekommen, auch deshalb sieht er seine Chancen als „relativ gut mit einer guten Ausgangssituation“. Deswegen sieht Laurinat dem 28. Oktober ziemlich entspannt entgegen. „Ich werde erst wählen gehen und dann mit meinem Wahlkampfteam die vergangenen Wochen Revue passieren lassen und auf das Ergebnis warten.“ (Luisa Diegel) +++